Besuch in Sibiu/ Rumänien 20. - 23.03.18

Studenten Sibiu 20.03.18Schon Dietmar 20.03.18Auf Einladung des Dekans der Fakultät für orthodoxe Theologie der Universität Sibiu besuchte der Direktor des Ostkircheninstituts der Diözese Regensburg, P. Dr. habil. Dietmar Schon o.p., für einige Tage die Region Siebenbürgen in Rumänien. Den Auftakt bildete am 21. März 2018 ein Gastvortrag zum Thema „Johannes von Damaskus und sein Beitrag zur mittelalterlichen Auseinandersetzung um ‚wahre Religion‘“ in der Aula der Fakultät. Die parallel zum Vortrag gebotene rumänische Übersetzung des Textes soll in einer Zeitschrift der Fakultät veröffentlicht werden.

Im Anschluss fand eine Begegnung mit dem Dekan, Prof. Dr. Nicolae Chifar, und einer Gruppe von Professoren der Fakultät statt. Dabei stellte P. Dietmar Schon das 2016 neukonzipierte Ostkircheninstitut und seine Zielsetzung vor. Umgekehrt vermittelten die Gastgeber ein sehr lebendiges Bild von der Fakultät, den Studenten und vom Ökumenischen Institut der Universität Sibiu.Sibiu.

Begleitet von Prof. Dr. Paul Brusanowski, zu dem seit dem ersten Symposium des Ostkircheninstituts 2016 ein Kontakt bestand, konnte P. Dietmar Schon den kleinen Ort Rășinari besuchen, wo mehrere orthodoxe Kirchen und ein bescheidenes Bischofshaus aus dem 18. Jh. Zeugnis von der Wiedererrichtung einer orthodoxen Hierarchie in Siebenbürgen geben. Im selben Ort findet sich zudem das ursprüngliche Mausoleum des bedeutenden Metropoliten Andrei Șaguna, der seit 2011 zu den Heiligen der Rumänischen Orthodoxen Kirche zählt. Der Priester des Ortes, Ioan Avram, erklärte höchst anschaulich die Bedeutung dieser Stätten für die Siebenbürger Orthodoxen und ordnete sie engagiert in die historischen Zusammenhänge ein. Sibiu FreskoSibiu Kirche

 

 

 

 

 

 

Inneres der orthodoxen Kirche von Rășinari (18. Jh.)                   Fresko in der Kirche von Rășinari (18. Jh.)

Weitere Station der kleinen Exkursion war Sibiel, wo es neben einer reich mit Fresken geschmückten Kirche ein bemerkenswertes Museum mit volkstümlichen Ikonen, ausgeführt in Hinterglasmalerei, zu entdecken gab.

Höhepunkt des folgenden Tages war eine Begegnung mit dem Metropoliten von Siebenbürgen, Dr. Laurențiu Streza. Der Hierarch informierte sich zunächst über das Ostkircheninstitut und seine Projekte. Beim angeregten Gespräch hob Metropolit Laurențiu seine Sicht von der Bedeutung solcher Initiativen hervor: die Herausforderungen von Säkularisierung und Globalisierung beträfen die orthodoxe und katholische Kirche gleichermaßen und bedürften einer gemeinsam formulierten Antwort. Er bekundete seinen Wunsch, dass eine Kooperation zwischen Ostkircheninstitut und Fakultät zustande komme, die dazu einen Beitrag leistet.

Streza Schon

Fakultät Sibiu

 

 

 

 

 

 

links: Begegnung mit dem Metropoliten von Siebenbürgen, Dr. Laurențiu Streza       oben: Fakultätsgebäude für orthodoxe Theologie in Sibiu
      

Die kirchliche „Landschaft“ in Siebenbürgen ist vielfältig. Für den Nachmittag hatte Prof. Brusanowski deshalb eine weitere Exkursion vorbereitet, die zunächst nach Alba Iulia führte. Im dortigen weitläufigem Festungsareal steht unmittelbar neben einer orthodoxen Kathedrale aus dem frühen 20. Jh. die auf das 11. Jh. zurückgehende römisch-katholische Kathedrale. Zwei Alumnen des naheliegenden Priesterseminars übernahmen die Führung durch den markanten Kirchenbau. Einfach und vielleicht deshalb besonders beeindruckend gestaltet ist das Grabmal von Marton Aron, der 1938-1980 als Bischof von Alba Iulia wirkte, vom kommunistischen Regime 1949-1955 in Haft gehalten wurde und 1970-80 den Vorsitz in der Rumänischen Bischofskonferenz führte. Seine Bemühungen, die Deportation rumänischer Juden während des II. Weltkriegs zu verhindern, wurden durch seine Anerkennung als „Gerechter unter den Völkern“ gewürdigt; sein Seligsprechungsverfahren wurde 1992 eröffnet

Kathedrale Alba IuliaGrabmal Marton Aron

Römisch-katholische Kathedrale von Alba Iulia (11./13. Jh.)

rechts: Grabmal des Dieners Gottes Marton Aron

Eine weitere kirchliche Facette vermittelte der Besuch in Blaj. Prof. Dr. Cristian Barta, Dozent an der griechisch-katholischen Fakultät von Cluj-Napoca, hatte sich bereit erklärt, die Bedeutung von Blaj als einem wichtigen Zentrum der griechisch-katholischen Kirche zu erläutern. Neben einem Besuch der Kathedrale und der örtlichen theologischen Fakultät vermittelte eine Besichtigung des neu eingerichteten Kulturzentrums einen sehr lebendigen Eindruck. Den Abschluss bildete ein Besuch der Bischofsgruft mit dem Grabmal von Ioan Sucio, dem Apostolischen Administrator von Făgăraș und Alba Iulia; das kommunistische Regime ließ ihn 1948 verhaften; er starb 1953 in Isolationshaft.

Kathedrale Alba Iulia 2

Gedenkstein

 

 

 

 

 

 

Ikonostase der griechisch-katholischen Kathedrale von Blaj;    rechts: Grabmal des in kommunistischer Haft verstorbenen Bischofs Ioan Sucio (Bischofsgruft, Blaj)

Der Tag klang mit einer besonderen Geste rumänischer Gastfreundschaft aus. Ein Dozent der Fakultät und Pfarrer an der ältesten orthodoxen Kirche in Sibiu, Prof. Irimie Marga, hatte zusammen mit seiner Frau zu einem Abendessen ins Pfarrhaus eingeladen. Allen Genannten, vor allem Prof. Brusanowski, sei herzlich für die intensiven Tage in Siebenbürgen gedankt! Es gibt ermutigende Zeichen, dass in dieser Zeit eine neue Kooperation zwischen Ostkircheninstitut und Sibiu ihren Anfang genommen hat.

 

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