Besuch in Istanbul und Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen im Phanar (30.07.-04.08.2018)

Für jeden Ostkirchenkundler und ökumenisch Engagierten gehört ein Besuch in Konstantinopel (heute Istanbul), dem Sitz des Ökumenischen Patriarchen, zu den besonders prägenden Erfahrungen. Vorbereitet und begleitet durch Herrn Georgios Vlantis, den Geschäftsführer der AcK Bayern und engagierten Unterstützer des Ostkircheninstituts, und vermittelt durch die griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland erhielt P. Dr. habil. Dietmar Schon o.p. die Gelegenheit zu einem solchen Besuch.

Den Auftakt bildete am 31.07.18 eine Begegnung mit der Mönchsgemeinschaft des Dreifaltigkeitsklosters auf der unweit von Istanbul im Marmarameer gelegenen Insel Chalki. Sie verdankt ihre (Wieder-)Entstehung dem Charisma des Abtes, Metropolit Elpidophoros (Lambrinidis). An der Stelle eines bereits im 9. Jh. gegründeten und später zerstörten Klosters wurde auf Initiative des Patriarchen Germanos IV. Mitte des 19. Jh. eine Theologische Hochschule gegründet. Nach einem schweren Erdbeben neu errichtet, haben seit 1896 viele orthodoxe Theologen, Bischöfe und Patriarchen, darunter der amtierende Patriarch Bartholomaios I., ihr Studium in dieser Hochschule absolviert. Die schwierige Situation der christlichen Minderheit in der Türkei wird u.a. daran erkennbar, dass 1971 seitens des Staates die Hochschule geschlossen und 1998 sogar enteignet wurde. Auf internationale Proteste hin wurde zwar die Enteignung zwischenzeitlich rückgängig gemacht; ein theologischer Lehrbetrieb ist aber nach wie vor verboten.

Bilder: Die Altstadt von Konstantinopel (links); Innenraum Klosterkirche Chalki (rechts)

Istanbul Meer webChalki Kirche webEine Führung durch die Kirche, das Kloster und das Hochschulgebäude mit ihrer Bibliothek und den Unterrichtsräumen führte dem Gast vor Augen, wie sehr eine Wiedereröffnung als Theologische Hochschule zu den dringenden Desiderata des Patriarchats gehört. Der Abt des Klosters, Metropolit Elpidophoros, war vom Patriarchen überraschend zu einer Auslandsreise entsandt worden; dennoch ließ er sich nicht nehmen, eine Nachricht mit Grüßen und einem Bezug zum Symposium 2016 in Regensburg zu senden, bei dem der Metropolit als orthodoxer Ehrengast teilgenommen hatte. An Stelle des Metropoliten lud Archimandrit Kaisarios Chronis zu einem Gespräch mit der Mönchsgemeinschaft ein, bei dem auch Gelegenheit bestand, das Ostkircheninstitut und seine Zielsetzung vorzustellen.

Bild: Empfang vor dem Dreifaltigkeitskloster; Mitte: Archimandrit Kaisarios Chronis

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Bild:  Seminarraum in der ehem. Theologischen Hochschule ChalkiHochschule Chalki web

Eindeutiger Höhepunkt der Reise nach Konstantinopel war die Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Phanar am 1. August. Der Direktor des Ostkircheninstituts, P. Dr. Dietmar Schon o.p., überreichte ein Exemplar seiner Habilitationsschrift „Die orthodoxen Kirchen im interreligiösen Dialog mit dem Islam“ und den Tagungsband des Symposiums 2016 „Dialog 2.0 - Braucht der der orthodox-katholische Dialog neue Impulse?“. Beide Bücher fanden das Interesse des hohen Gastgebers und wurden zum Anknüpfungspunkt für ein Gespräch, bei dem Aufgaben und Ziele des neu konzipierten Ostkircheninstituts der Diözese Regensburg illustriert werden konnten. Eine besondere Freude und Ehre stellte es dar, dass der Ökumenische Patriarch Herrn Georgios Vlantis und P. Dietmar Schon o.p. für den nächsten Tag, dem 02.08.18, zu einer weiteren Begegnung im Rahmen eines Mittagessens in den Phanar einlud. Der Ökumenische Patriarch ermutigte neuerlich dazu, die Bemühungen des Ostkircheninstituts um ein immer besseres wechselseitiges Verständnis von orthodoxer und katholischer Kirche engagiert fortzusetzen.
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Bild: Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

Die verbleibende Zeit des Aufenthalts war vor allem einer Suche nach orthodoxen Spuren in der Hauptstadt des osmanischen Reichs und der heutigen Türkei gewidmet, eine Suche, die sich angesichts des seit der Eroberung Konstantinopels islamisch geprägten Umfelds gar nicht so einfach gestaltet. Vor allem aber steht das Ergebnis in seltsamem Kontrast zur Bedeutung, die das Ökumenische Patriarchat in pastoraler Hinsicht und im weltweiten Dienst für die Orthodoxie bis heute entfaltet.

An erster Stelle stand natürlich ein Besuch der Hagia Sophia, für viele Jahrhunderte die größte Kirche der Christenheit und heute ein Museum. In ihr erinnert vor allem die beeindruckende Architektur an das vorislamische, christliche Byzanz. Von der Innengestaltung mit Mosaiken und Fresken haben nur einige kleine Reste die Umgestaltung in eine Moschee überdauert. Noch als Torso erinnern sie in ihrer Schönheit den Betrachter daran, wie viel an künstlerischen Glaubenszeugnissen durch die Zeitumstände verloren ging.

Hagia Sophia außen webHagia Sophia innen webBilder: Hagia Sophia (außen, innen)

Bilder: Hagia Sophia Mosaiken
Hagia Sophia Mosaik webHagia Sophia Mosaik 2 web
Dasselbe gilt für die ehemalige Kirche der Heiligen Sergius und Bacchus aus dem 6. Jh., die heute als Moschee Küçük Aya Sofya Camii den muslimischen Gläubigen dient. Anders die Chora-Kirche: wie durch ein Wunder entgingen größere Teile der Fresken und des Mosaikschmucks bei der Umwandlung in eine Moschee der Zerstörung; sie bieten dem Besucher des heutigen Museums einen nachhaltigen Eindruck vom innigen Glaubensleben der spätbyzantinischen Zeit. Zeugnis vom heutigen orthodoxen Wirken legt dagegen die St. Georgskirche im Phanar ab; sie ist seit 1600 die Kathedrale des Ökumenischen Patriarchats und birgt neben bedeutenden Ikonen die Reliquien einiger Märtyrer sowie der größten östlichen Lehrer der ungeteilten Kirche.

Kirche Sergius web
Kirche Sergius innen webBilder: Ehem. Kirche der Hl. Sergius und Bacchus (6. Jh.)
und Innenraum



Bild links: Mosaik in der ehem. Kirche des Chora-Klosters
Bild rechts: ehem. Kirche des Chora-Klosters - Fresko der SeitenapsisMosaik Chora Kloster webFresko Chora Kloster web

Georgskirche webGeorgskirche Reliquiar web

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild links: St. Georgskirche/ Phanar: Ikonostase

 


Bild rechts: St. Georgskirche/ Phanar: Reliquiar des Hl. Gregor von Nazianz

Die „Blaue Moschee“ überdeckt zum Teil die Grundmauern des ersten Kaiserpalastes, von dem nur noch einige Fußbodenmosaiken in einem nahegelegenen Museum geborgen werden konnten. Die noch als Ruine eindrucksvolle Stadtmauer haben Konstantinopel rund 1000 Jahre vor vielen Angreifern geschützt. Auch wenn seit Mehmet dem Eroberer der unüberhörbare Ruf des Muezzins über die Stadt Istanbul erschallt, so sind doch die Glocken der Kirchen des Ökumenischen Patriarchats keineswegs verstummt; seit 1453 klingen sie nur leiser.
Mauerstadt webBlaue Moschee web

 

 

 

 

 

 

Bild links: Blaue Moschee
Bild rechts: Teil der landseitigen Stadtmauer

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