WiSe 2018/19

Seminar theologische Fakultät

Ganzheitlich gelebter Glauben

- Texte orthodoxer und katholischer Spiritualität -


Christliches Glauben ist ein ganzheitliches Phänomen. Für die Glaubenden gilt es, ihn verstandesmäßig zu erschließen, um die Tiefe von Gottes Handeln zum Heil des Menschen bestmöglich wahrzunehmen. Eine andere Facette dessen bildet der Bereich persönlicher Glaubenserfahrung als ein individuelles Betroffenwerden von der Botschaft Jesu, zuweilen verdichtet bis hin zu einem mystischen Erleben. Nicht zuletzt bedarf Glauben der Umsetzung in ein alltägliches Christsein, d.h. hinein in die jeweiligen Lebensvollzüge.

Über zwei Jahrtausende hinweg sind im östlichen wie im westlichen Traditionszweig der Kirche bedeutsame spirituelle Strömungen entstanden, die Ausdruck einer Vielfalt von Zugängen und immer neuen Erschließungen gelebten Glaubens sind. Das bezeugt eine überaus reiche geistliche Literatur des christlichen Ostens und Westens. Sie spiegelt die Erfahrungs- und Vorstellungswelt bedeutender Denker, Gottsucher und Beter der orthodoxen wie der katholischen Kirche, die vor sich selbst Rechenschaft über „ganzheitlich gelebten Glauben“ ablegen und ihre Einsichten an andere Gläubige weiterreichen möchten. Diese spirituelle Literatur zeigt einerseits erstaunliche Parallelen sogar über die im 2. Jahrtausend entstandenen konfessionellen Grenzen hinweg; daneben finden sich aber auch Spezifika beider Überlieferungsstränge, die im jeweiligen Zeit- und Kulturkontext wurzeln.

Das Seminar möchte Zugänge zu maßgeblichen Autoren und Texten eröffnen, mit wichtigen geistlichen Strömungen bekannt machen und dazu beitragen, „spirituelle Erfahrungsschätze“ der orthodoxen und der katholischen Kirche zu heben.

Übung phil. Fakultät/ Geschichte Osteuropas

Wohin steuert die Ukraine? - Beiträge der orthodoxen und katholischen Kirchen zur Nationbildung und Identitätsfindung


Die Ukraine steckt in einem macht-, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Sog, der teilweise sogar zu bewaffneten Auseinandersetzungen eskaliert. Jahrhundertelang in verschiedene und wechselnde Machtzentren eingegliedert, hat die staatliche Unabhängigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion die Frage nach der ukrainischen Nation und Identität nicht automatisch gelöst, sondern nur neu formuliert. Verschiedene Modelle werden angeboten: Orientierung nach Westen, Orientierung nach Osten, oder eine selbstbewusste Ukraine zwischen Ost und West. Das Meinungsspektrum über den besten Weg ist vielfältig und wird kontrovers diskutiert.

Angesichts einer tiefverwurzelten Religiosität der Bevölkerung kommt den christlichen Kirchen der Region hohe Bedeutung für die Selbstfindung der Ukraine zu. Die orthodoxen und katholischen Kirchen in der Ukraine sind allerdings selbst Spiegel der vorhandenen Vielfalt: sie suchen nach ihrer Position inmitten einer postkommunistischen Gesellschaft und möchten zugleich zur Nationbildung, zur gesellschaftlichen Identitätsfindung und Gestaltung beitragen.

Die Übung möchte Grundkenntnisse über die orthodoxen und katholischen Kirchen in der Ukraine und ihre Geschichte vermitteln, die bis heute das kirchliche Bewusstsein prägt. Aufbauend soll die Rolle und Positionierung der Kirchen im laufenden gesellschaftlichen Transformationsprozess beleuchtet werden. Wohin steuert die Ukraine? Die Antwort auf diese Frage wird von den orthodoxen und katholischen Kirchen des Landes mit formuliert werden.
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